
Gabi Elia, Piqyourdress: „Wir beobachten ein Bedürfnis nach reduzierten Silhouetten.“
Beobachten Sie einen Richtungswechsel in der Brautmode?
„Die Wünsche der Bräute sind sehr individuell. Wir beobachten jedoch ein zunehmendes Bedürfnis nach modernen, reduzierten Silhouetten. Viele unserer Kundinnen entscheiden sich bewusst erst wenige Wochen vor der Hochzeit für ihr Outfit und suchen nach etwas Zeitlosem und Schlichtem. Gleichzeitig wünschen sie sich aber ein besonderes Detail, das dem Look eine romantische oder verspielte Note verleiht.“
Welchen Stellenwert haben Komfort und Kombinierbarkeit?
„Kombinierbarkeit ist seit unserer Gründung vor zehn Jahren ein zentraler Bestandteil der DNA. Das ursprüngliche Mix-&-Match-Konzept bildet nach wie vor die Basis unserer Kollektionen. In den letzten Jahren haben wir uns jedoch bewusst weiterentwickelt – hin zu einem umfassenderen Bridal-Fashion-Ansatz. Heute bieten wir komplette Bridal Looks, die neben einzelnen Ober- und Unterteilen auch Kleider, Blazer, Überröcke und Hosen umfassen. Charakteristisch ist der moderne Look, der Einsatz hochwertiger Materialien sowie eine durchdachte, gutsitzende Passform, die es der Braut ermöglicht, sich den ganzen Tag über wohlzufühlen.“
Was können wir von der Kollektion 2027 erwarten?
„Da wir nur ab Lager verkaufen, ist die Kollektion, die wir jetzt verkaufen, unsere aktuelle Kollektion 2026. Sie ist so vielseitig wie nie zuvor. Wir lancieren zwei außergewöhnliche Perlenblusen, die das Potenzial haben, zu neuen Bestsellern zu werden. Ergänzt wird die Kollektion durch sehr moderne Spitzenlooks – darunter eine Hose sowie ein Fit-and-Flare-Rock aus Spitze.“

Ingrid Jellema, Azuree: „Bräute sehnen sich nach raffinierter Schlichtheit.“
Findet derzeit ein Stimmungswandel statt?
„Ja! Bräute wünschen sich Styles, die zeitlos, hochwertig und mühelos wirken – statt überladen oder überdesignt zu sein. Old Money und Clean Chic entwickeln sich weiter zu etwas Persönlicherem: stillem Luxus mit einer modernen Note. Das zeigt sich in der Nachfrage nach klaren Linien, schöner Struktur, edlen Stoffen und subtilen Details, die sich erst bei genauerem Hinsehen offenbaren. Der Vibe Shift ist also kein plötzlicher Wandel, sondern eine Bewegung, die gereift ist – und nun tatsächlich in den Kollektionen ankommt, für die sich Bräute entscheiden.“
Hat der Vibe Shift die Azuree-Kollektionen erreicht?
„Natürlich – und das Feedback ist überwältigend. In unserer 2026-Kollektion schnitten die minimalistischeren Styles außergewöhnlich gut ab, was genau das bestätigt, was wir am Markt beobachten: Bräute sehnen sich nach raffinierter Schlichtheit. Genau deshalb haben wir diese Richtung für 2027 deutlich ausgebaut – mit einer wesentlich größeren Auswahl an klaren, modernen Kleidern mit reduzierten Silhouetten.“
Wird der Minimalismus die Kollektion 2027 dominieren?
„Er wird ein starker Bestandteil der Kollektion sein. Wir glauben allerdings nicht daran, dass ein einzelner Trend alles bestimmt. Die spannendsten Kollektionen leben immer von der Balance. Man kann es mit einem großartigen Koch vergleichen: Es geht nie nur um eine Zutat, sondern um das harmonische Zusammenspiel. Für 2027 haben wir eine Kollektion kuratiert, in der Minimalismus ganz selbstverständlich neben anderen aktuellen Stilrichtungen steht.“

Andrew Georgiou, Très Chic: „Die Geschmäcker werden vielfältiger, nicht einheitlicher!“
In der Brautmodenbranche wird seit Jahren über den Old-Money-Stil und Clean Chic gesprochen. Findet der Stimmungswandel jetzt tatsächlich statt?
„Ja, dieser Trend ist definitiv angekommen. Wir beobachten eine deutlich steigende Nachfrage nach klareren Linien, weicheren Strukturen und jener zurückhaltenden Eleganz, die häufig mit dem ‚Old Money‘- oder ‚Clean-Chic‘-Stil assoziiert wird. Unsere Kollektion 2027 greift diesen Wandel auf und zeigt eine insgesamt verfeinerte Ästhetik in verschiedenen Silhouetten – von Schlauchkleidern aus Satin-Crêpe bis hin zu reduzierten A-Linien mit architektonischen Details. Aber um das klarzustellen: Es handelt sich nicht um eine Abkehr von Spitze oder Verzierungen. Es geht nicht darum, einen Stil durch einen anderen zu ersetzen, sondern darum, das Angebot zu erweitern. Die Geschmäcker werden vielfältiger, nicht einheitlicher!“
Wie wichtig ist Individualisierung?
„Die Braut möchte heute keinen Look tragen, den sie bereits online gesehen hat oder der dem Kleid einer Freundin aus dem letzten Jahr ähnelt. Sie sucht nach einer anderen Stimmung und einer anderen Silhouette. Genau dieses Bedürfnis nach Unterschiedlichkeit treibt die Evolution in der Brautmode voran. Unsere Kollektionen für 2027 wurden genau mit diesem Anspruch entworfen: nach wie vor romantisch und kommerziell, jedoch mit einer spürbaren Hinwendung zu moderner Zurückhaltung dort, wo sie Sinn ergibt.“
Très Chic bietet sieben verschiedene Kollektionen an. Welche davon ist am stärksten trendorientiert?
„Elemente eines trendbewussten Designs finden sich in all unseren Kollektionen. Von unserer preislich sehr attraktiven Avec-Amour-Linie bis hin zu den opulenten Prinzessinnen-Ballkleidern haben wir minimalistische Silhouetten und raffinierte Details integriert. Die moderne Ästhetik mit ihren klaren Linien, dezenten Strukturen und zurückhaltenden Stoffen spiegelt sich in unserem gesamten Angebot für 2027 wider. Wir haben den Trend nicht in einer einzelnen Capsule Collection isoliert oder eine separate ‚Clean‘-Linie geschaffen. Stattdessen haben wir ihn in jede Kollektion einfließen lassen. So stellen wir sicher, dass jede Linie Kleider enthält, die die heutige Braut ansprechen – unabhängig von Budget, Konfektionsgröße oder bevorzugter Silhouette.“
Très Chic ist bekannt für seine kommerziell erfolgreichen Kollektionen. Wann wird der cleane Look den Markt dominieren?
„Er ist bereits da und unsere Kollektion 2027 spiegelt das wider. Wir haben dafür gesorgt, dass jede Kollektion kommerziell tragfähige Designs enthält, die den cleanen, modernen Stil verkörpern, den Bräute derzeit nachfragen. Diese Looks sind elegant, erschwinglich und äußerst tragbar – entworfen, um aktuelle Bedürfnisse zu erfüllen, ohne dabei auf Struktur oder Raffinesse zu verzichten.“
Wurden dafür andere Styles aus dem Sortiment genommen?
„Nein. Bräute, die sich nach Glamour, Glanz und opulenten Details sehnen, finden sich ebenso wieder ebenso wie jene, die etwas dazwischen suchen. Unsere Kollektion 2027 steht für Balance: Minimalismus dort, wo er gefragt ist, Romantik dort, wo sie gewünscht wird, und eine starke kommerzielle Ausrichtung über das gesamte Spektrum der Brautmode hinweg.“

Eva-Dorthe Rantzau Smith, Lilly: „Unsere Designs sind bewusst reduziert.“
Wie geht Lilly als skandinavisches Label mit dem Vibe Shift um?
„Dieser sogenannte Vibe Shift ist für uns weniger ein neuer Trend als vielmehr eine Bestätigung unserer Design-DNA. Unsere Kollektion Pure White by Lilly war bereits 2026 sehr erfolgreich und verkauft sich auch heute sehr stark – direkt an die Bräute in unseren Stores. Das zeigt, dass Old-Money-Style, Clean Chic und eine klare skandinavische Ästhetik gefragt sind. Unsere Designs sind bewusst reduziert. Sie sind geprägt von klaren Linien, ausgewogenen Proportionen und einer ruhigen Eleganz – Werte, die tief in der skandinavischen Designtradition verankert sind. Mit der neuen Pure White by Lilly Kollektion 2027 haben wir dieses Thema weiterentwickelt und erweitert. Gleichzeitig führen wir die beliebtesten Styles als Carry-Overs fort. Das schafft Kontinuität für unsere Händler – und unterstreicht, das zeitlose Eleganz langfristig relevant ist.“
Und bei den Accessoires? Gibt es da auch einen Vibe Shift?
„Definitiv. Besonders bei den Schleiern sehen wir eine klare Entwicklung hin zu klassischen, ikonischen Formen. Stark nachgefragt sind aktuell Madonna-Schleier, Juliet-Cap-Veils, Mantilla-Schleier sowie Schleier in voller Spitze. Ein deutlicher Trend zeigt sich auch bei der Länge: Schleier mit zwei bis drei Metern sind derzeit besonders gefragt. Auch abnehmbare Ärmel spielen eine wichtige Rolle. Sie ergänzen das Styling auf elegante Weise und ermöglichen einen wandelbaren Look zwischen Zeremonie und Feier. Entsprechend haben wir unsere Accessoires-Kollektion um ein umfangreiches Programm an abnehmbaren Ärmeln erweitert. Neu in unserem Sortiment sind außerdem Unterröcke aus feiner Spitze, die unter Brautkleidern mit hohem Schlitz getragen werden. Sie schaffen eine wunderschöne Balance aus Eleganz und Modernität, indem sie das Bein sanft bedecken und dem Look zusätzliche Tiefe verleihen.“
Welchen Stellenwert hat das Preis-Leistungsverhältnis bei Lilly?
„Einen sehr hohen. Wir legen größten Wert auf Passform, hochwertige Materialien und eine fachkundige Verarbeitung – und das stets zu erschwinglichen Preisen für unsere Kundinnen. Gleichzeitig denken wir konsequent an unsere Händler. Eine attraktive Marge und eine verlässliche Kalkulation sind für uns essenziell. Unser Anspruch ist es, Kollektionen zu entwickeln, die sowohl für Bräute als auch für den Fachhandel langfristig erfolgreich sind.“
Was kann der Handel von der Kollektion 2027 erwarten?
„Sie baut konsequent auf unseren Designwerten auf und interpretiert sie weiter: zeitlose Eleganz, moderne Zurückhaltung und starke, klare Silhouetten stehen im Mittelpunkt. Neu interpretierte Schnitte wie die Basque-Taille setzen dabei gezielt Akzente und verleihen den Designs eine feminine, architektonische Eleganz.“
Was ist neu bei Lilly?
„Ein besonderer Fokus liegt auf einem erweiterten Mix-&-Match-Programm, das sich sowohl untereinander als auch hervorragend mit klassischen Lilly-Kleidern kombinieren lässt. So entstehen vielseitige Stylingmöglichkeiten – von fließenden, leichten Kleidern bis hin zu üppigen Roben mit ausdrucksstarken Silhouetten. Details und Materialien werden noch bewusster und gezielter eingesetzt, um Looks zu schaffen, die ruhig, hochwertig und selbstbewusst wirken. Und all das bleibt dem treu, wofür wir seit jeher stehen: ein verlässliches, attraktives Preis-Leistungs-Verhältnis, das hochwertige Brautmode für viele Bräute zugänglich macht.“

Kang Chun Lin, Bridal Collective: „Raffinesse wird zum neuen Statement!“
Aus Ihrer internationalen Perspektive: Findet der Vibe Shift jetzt auch in Westeuropa statt?
„Es bewegt sich definitiv in diese Richtung, allerdings eher als eine Weiterentwicklung, denn als ein abrupter Wandel. Westeuropa hat schon immer Zurückhaltung, Handwerkskunst und zeitlose Eleganz geschätzt – die Grundlagen von ‚Old Money‘ und ‚Clean Chic‘ waren also bereits vorhanden. Was sich jetzt verändert, ist die Intention dahinter. Bräute entfernen sich zunehmend von rein trendbasierter Dekoration und entscheiden sich stattdessen für Designs, die beständig wirken, eine stille Luxusausstrahlung haben und sich zutiefst persönlich anfühlen. Wir beobachten eine noch stärkere Nachfrage nach makelloser Schneiderkunst, hochwertigen Stoffen und Spitzen, dramatischen Silhouetten sowie Entwürfen, die selbstbewusst wirken, ohne viel Verzierung zu benötigen. Es geht weniger um Minimalismus als Trend, vielmehr wird Raffinesse zum neuen Statement.“
Bridal Collective bietet acht unterschiedliche Kollektionen. Testen Sie die Marktakzeptanz mit einer bestimmten Kollektion?
„Unsere Kollektionen funktionieren fast wie ein gestalterischer Dialog. Jede Kollektion erlaubt es uns, auf unterschiedliche Weise auf Trends zu reagieren. Innerhalb der Enzoani-Kollektionen können wir modische, trendbewusste Designs erkunden, während ÉLYSÉE modernen Braut-Glamour verkörpert. Die PEN·LIV-Kollektion wiederum bringt eine zeitgemäße, modische Note in das Angebot eines Stores. Es geht dabei nicht darum, Trends hinterherzujagen, sondern zu beobachten, wie sie sich entwickeln, und sie mit klarer Absicht in unsere Kollektionen zu integrieren.“
Was sind die größten Herausforderungen bei der perfekten Passform eines minimalistischen Kleides?
„Die Herausforderung beim Minimalismus liegt darin, dass er nichts verzeiht. Ohne Verzierungen wird jede Linie und jede Naht entscheidend. Unser Fokus liegt darauf, die Reinheit des Designs mit technischer Präzision in Einklang zu bringen – insbesondere bei fließenden, hochwertigen Stoffen, die wunderschön fallen müssen und dennoch Struktur sowie Halt bieten sollen.
Was ist mit der inneren Konstuktion?
„Diese bleibt unsichtbar, ist aber essenziell. Mit der Einführung unserer 2026er-Kollektion haben wir außerdem eine überarbeitete Größentabelle präsentiert, die unser kontinuierliches Engagement für eine optimale Passform und ein bestmögliches Produkterlebnis für unsere Bräute widerspiegelt. Unser Ziel ist es, Kleider zu entwerfen, die nicht nur visuell beeindrucken, sondern sich auch komfortabel und sicher tragen lassen, sodass sich unsere Bräute selbstbewusst und wohl fühlen. Das überwältigend positive Feedback dieser Saison bestätigt, dass diese Anpassungen sowohl die Qualität unserer Kleider als auch die gesamte Bridal Experience spürbar verbessern.“

Crystal Lu, Casablanca: „Es geht darum, sich von Trend-Labels insgesamt zu lösen.“
Stehen wir in Sachen Trends vor einer Zeitenwende?
„Ja, aber es geht weniger darum, die verspielten Ästhetiken hinter sich zu lassen, sondern vielmehr darum, sich von Trend-Labels insgesamt zu lösen. Die Gen-Z-Bräute betreten den Markt mit einer anderen Haltung: Die Hochzeit ist keine Inszenierung eines bestimmten Looks mehr, sondern ein Ausdruck der eigenen Identität. Bräute beginnen nicht mit einer von Pinterest definierten Ästhetik, sondern mit der Frage, wie sie sich fühlen möchten und wer sie als Paar sind.“
Welchen Einfluss hat dies auf das Design?
„Wir beobachten einen Wandel von trendgesteuertem Styling hin zu identitätsorientiertem Styling. Selbst wenn sich eine Braut für eine minimalistische oder ‚cleane‘ Silhouette entscheidet, personalisiert sie diese – durch Anpassungen in Struktur, Proportion oder Details, um sie unverwechselbar zu machen. Individualisierung wird zunehmend zur Erwartung, nicht mehr zum Upgrade. Bei Casablanca Bridal war diese Philosophie schon immer zentral: starke Design-Basen zu schaffen, die der Individualität der Braut Raum geben.“
Die Hochzeitstrends in den USA sind denen in DACH oft voraus. Wann wird der Trend zu minimalistischen Kleidern unsere Märkte vollständig erreichen?
„In vielerlei Hinsicht ist er bereits angekommen. Global sehen wir, dass Minimalismus kein vorübergehender Trend ist, sondern sich als Basis etabliert. Der Unterschied liegt in seiner Weiterentwicklung. In den USA hat sich Minimalismus von klarer, strenger Schlichtheit zu einer nuancierteren, persönlicheren Interpretation gewandelt. Cleane Silhouetten werden durch Texturen, strukturelle Anpassungen oder Styling-Elemente ergänzt, die die Persönlichkeit und das Hochzeitsumfeld der Braut widerspiegeln. Märkte wie Deutschland und die Niederlande befinden sich klar in ihrer minimalistischen Phase.“
Und was ist der nächste Schritt?
„Ganz klar: Personalisierung auf der Grundlage von Schlichtheit. Bräute suchen nicht nur ein minimalistisches Kleid, sondern einen minimalistischen Ausgangspunkt, den sie individuell gestalten können.“
Was dürfen wir von der 2027er-Kollektion erwarten?
„Vielfalt mit Haltung. Die Kollektion 2027 reicht von raffinierter Minimalistik über ausdrucksstarke Statement-Pieces bis hin zu Designs, die beides miteinander verbinden.
Jedes Kleid überzeugt durch Proportion, Handwerkskunst und Verarbeitung, ist jedoch zugleich mit Blick auf Anpassungsfähigkeit konzipiert – sei es durch Styling-Elemente, strukturelle Modifikationen oder Detailveränderungen. Ziel ist es, eine starke gestalterische Leinwand zu bieten, die Individualität unterstützt, sodass der finale Look die Braut widerspiegelt – und nicht nur den aktuellen Trendzyklus.“