DIE UNABHÄNGIGE FACHZEITSCHRIFT FÜR HOCHZEITSMODE

Q&A mit MIT Hermann Thole

Hermann Thole führte 32 Jahre lang das renommierte Brautmodenfachgeschäft C.A. Thole in Cloppenburg. Seit Mai 2017 berät er die Interbride. Seine genaue Funktion: Botschafter und Beirat des Vorstands. Im Sposa Facts-Interview berichtet er über Neuerungen und die Zukunft der Messe.

Hermann Thole führte 32 Jahre lang das renommierte Brautmodenfachgeschäft C.A. Thole in Cloppenburg. Seit Mai 2017 berät er die Interbride. Seine genaue Funktion: Botschafter und Beirat des Vorstands. Im Sposa Facts-Interview berichtet er über Neuerungen und die Zukunft der Messe.

Wie sehen Hallenplan und Aufbau der Interbride dieses Mal aus?
„Die Interbride setzt im nächsten Jahr weiter auf Fortschritt, wofür wir das komplette Hallenkonzept verändern werden. Mit der Rückkehr in die Hallen 8a und 8b legen wir den Fokus auf noch mehr Komfort und Übersichtlichkeit – für Aussteller und Messebesucher. Erstmals führt ein Rundweg durch jede Halle, in dessen Mitte platzieren wir zentral und von allen Seiten sichtbar kleine und mittlere Stände, an der Hallenrückseite ordnen wir die Stände mit großen Flächen an. Auf diese Weise schaffen wir für unsere Aussteller vor allem 1-A-Flächen, weil der Besucherstrom garantiert an jedem einzelnen Stand vorbeiführt. Der Vorteil, den wir uns für unsere Gäste versprechen, ist, dass sie sich leichter orientieren können, weil sich die Stände nicht gegenseitig verdecken.“

Was sind die Vergabekriterien für Standhalter?
„Eine weitere wichtige Neuerung ist, dass wir sogenannte Produkt-Cluster schaffen. Artverwandte Unternehmen mit einer gleichen Zielgruppe präsentieren sich am selben Ort. Eine international erfahrene Messebauagentur übernimmt dabei die Vergabe der Standplätze und die sinnhafte Zusammenführung der einzelnen Stände für uns.“

In der Vergangenheit war durchaus Kritik zu vernehmen, dass sich die Stände der Veranstalter vorrangig in den besten Lagen befinden.
„Auch ich habe von dieser Kritik gehört, aber ein Blick auf den Hallenplan 2018 wird zeigen, dass sich die Stände der Gesellschafter überwiegend in der rückwärtigen Reihe und den Außenpositionen befinden. Übrigens zahlen auch die Gesellschafter Standmiete – und zwar in gleicher Höhe wie jeder andere Aussteller auch. Aus meiner Sicht als außenstehender Berater speisen sich viele der unterschiedlichen Kritikpunkte einfach aus Unkenntnis und/oder mangelnder Information. Es ist wenig bekannt, was der Verein, der hinter der Messe Interbride und ihrer Organisation steht, überhaupt leistet. Der Verein setzt sich aus 23 Partnern zusammen, die neben ihrem normalen Job die Zusatzaufgabe schultern, eine internationale Messe aufzuziehen und für ihre Entwicklung geradezustehen. Jeder einzelne arbeitet genauso wie ich für eine geringe Aufwandsentschädigung. Die Philosophie „Von der Branche für die Branche“ ist der Motor der Interbride. Die Struktur der Interbride ist somit europa-und vielleicht sogar weltweit einzigartig!“

Wie viele Aussteller werden an der Interbride teilnehmen?
„Für exakte Zahlen ist es jetzt noch zu früh. Was ich allerdings vermelden kann ist, dass die Buchungsquote einschließlich November um zehn % höher liegt als zum gleichen Zeitpunkt der vergangenen Jahre. Mit diesem Zwischenstand sind wir sehr zufrieden. Als spannenden Neuzugang auf unserer Ausstellerliste kann ich im Bereich Evening-Wear die internationale Marke ‚Unique‘ nennen. Das Unternehmen stellt erstmals bei der Interbride aus, was uns sehr freut.“

Was werden die Highlights 2018 sein?
„Unter Branchenkennern ist die Interbride als vielseitige und hochwertige Orderplattform schon an sich ein Highlight. Natürlich fordert uns das und schürt auch Erwartungshaltungen. Die Messelandschaft verändert sich, es wird erwartet, dass Erlebnis mit Qualität verbunden wird. Wie im Fall unseres Hallenplans auch, reicht es längst nicht mehr aus, allein auf bewährte Konzepte zu vertrauen. Der Kunde wünscht Veränderung. Als neues Format bieten wir im nächsten Jahr den ‚Business Talk‘ an, mit dem wir Handel und Industrie zusätzliche Zeit für individuellen Austausch bieten wollen – außerhalb der Ordertätigkeiten. Eine Messe lebt von den Menschen, die sich dort versammeln, die reden, netzwerken. Mit wem führt man lieber Gespräche als mit spannenden Leuten? Neue Kontakte inspirieren und können neue Türen öffnen. Bei uns trifft sich die Branche und deshalb wollen wir hierbei zusätzlich unterstützen.“

Was sind die Eingangs-Kriterien für Besucher?
„Da die Interbride eine reine B2B-Messe ist, besucht uns vorwiegend der internationale Fachhandel, sprich Betreiber und Einkäufer des Einzelhandels. 60 % dieser Besucher kommen aus dem deutschsprachigen Raum. 40 % verteilen sich über Europa und den Rest der Welt. Über unsere Internetseite können Besucher sich schnell und einfach registrieren und ihre kostenlose Eintrittskarte direkt ausdrucken. Ein spezielles Kriterium für die Registrierung ist der Eintrag im Handelsregister bzw. der Betrieb eines Geschäftes. Das tatsächliche Zählen der Besucher vor Ort übernimmt eine Spezialfirma. Aktuell sind wir noch dran, die Registrierung vor die Messehallen zu verlegen, um generell für einen schnelleren Einlass unserer Gäste zu sorgen und auf die Kontrolle in den Hallen selbst zu verzichten. Das jeweils erneute Scannen der Eintrittskarte war immer wieder Grund für Kritik.“

Aus welchen Gründen haben Sie sich für den 5. bis 8. Mai 2018 als Messetermin entschieden?
„Der Termin liegt bewusst im direkten Anschluss an die Barcelona Bridal Fashion Week. Unsere Überlegung war, dass sich die Händler zunächst bei den in Europa wichtigsten Trend-Shows einen Überblick über das aktuelle Geschehen verschaffen sollten. Die Interbride bietet eine Woche später in ihrer Funktion als Ordermesse eine perfekte Plattform, um Aufträge zu schreiben. Aus meiner Sicht ergibt sich für Aussteller und Besucher daraus eineattraktive Kombination. Innerhalb zweier Wochen und innerhalb eines überschaubaren Aufwandes können die Hersteller ihre Standorganisation terminieren. Die Besucher können sich durch die Fashion-Shows in Barcelona inspirieren und informieren. Die Ruhe zum Ordern finden sie dann bei uns. Eine Win-Win-Situation für alle.“

Wo sehen Sie die Interbride in fünf Jahren?
„Das kann natürlich nicht isoliert von der Entwicklung der gesamten Messelandschaft beantwortet werden. Aber ich bin mir sicher, dass die Interbride weiter wachsen wird – besonders was ihre Internationalität betrifft. Für die Widmung internationaler Märkte ist bereits Budget eingeplant, damit in Zukunft das gesamte Spektrum des Handels in Düsseldorf vereint werden kann. Ich bin außerdem überzeugt, dass Terminsetzung und klare strategische Fokussierung durch Synergien entstehen werden, die man aktuell noch unterschätzt.“

Wenn Sie einen Wunsch frei hätten – welcher wäre das?
„Schluss mit der Termin-Rangelei. Ich kann davor nur warnen, sich einen Wettbewerb um immer frühere Messetermine zu liefern. Wer dabei draufzahlt sind die Besucher und ebenso die Hersteller. In den Unternehmen herrscht ein immenser Druck bei der Fertigung der Kollektionen, worunter langfristig die Kreativität und Perfektion der Designs leiden wird. Und der Besucher sollte sich schlichtweg davor hüten, bereits zu einem Zeitpunkt einzukaufen, an dem er die Trends noch gar nicht kennt. Er läuft Gefahr, sein Geld falsch zu investieren. Wir Akteure – und da beziehe ich uns wie alle anderen Messeveranstalter ein – tragen Verantwortung für unsere Branche und sollten deshalb einheitliche und verlässliche Strukturen schaffen, die den Fachgeschäften Sicherheit geben.“

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