Die Hochzeitsmodenbranche zeigt sich so diversifiziert wie noch nie – und immer mehr klassische Brautmodenfachgeschäfte suchen nach neuen Umsatzchancen. Welche Chancen bietet da die festliche Herrenmode?
„Wir interpretieren den einst sehr festlich–geschmückten Hochzeitsanzug mittlerweile breiter und zugänglicher. Das bietet die Chance, nicht nur punktuell den Bräutigam sondern auch Trauzeugen und andere Teile der Hochzeitsgesellschaft auszustatten und den Kreis der potentiellen Kunden zu erweitern. Anders als bei der Brautmode hat sich der vermeintlich festliche Anzug beziehungsweise der Colour Suit allgemein auch abseits der Hochzeit durchgesetzt und ist bei beinahe jedem Anlass einsetzbar und durch unser Baukastensystem auch individuell kombinierbar.“
Der durchschnittliche VK-Preis für einen Hochzeitsanzug liegt laut Marktforschung Brautmedia bei 739 €. Stimmt das mit Ihren Zahlen überein?
„Die Umsatzchancen kommen bei uns über die breitere Zielgruppenansprache und die Nachzugsfähigkeit im NOS-Programm. Das ermöglicht einen guten Lagerumschlag sowie Verlässlichkeit gegenüber den Kunden. Unsere Preislagen liegen zwischen 399 bis 649 Euro UVP beim Anzug, da wir neben dem Bräutigam, der tendenziell tiefere Taschen hat, auch weitere Teile der Hochzeitsgesellschaft ansprechen.“
Das Motto des Artikels ist „Pimp the groom“. Wie sollten Shops festliche Herrenmode optimal präsentieren?
„Neben den klassischen Wollqualitäten dürfen Warentypen in Leinen und fließenden Lyocell -Viskose-Mischungen nicht fehlen. Die Silhouette darf hier auch gerne etwas weiter sein. Auch bei Zweireihern sehen wir konstante Wachstumsraten, wenn auch auf einer moderaten Basis. Der Boho-Trend im Allgemeinen hat sein Hoch hinter sich, es wird wieder schicker und angezogener. Um zusätzlich Spannung in den Look zu bringen, gibt es passende Accessoires und Westen. Wir sind seit einigen Saisons erfolgreich mit hochwertigen Seidenwesten und markanten Blumenmotiven.“
Wie können Shops Herrenmode modern und faszinierend inszenieren?
„Flächenkonzepte und Schaufenster sind die besten Marketingflächen, die wir haben. Ein Schaufenster darf auch einmal überraschen – sei es mit spannenden neuen Farben, neuen Schnitten oder Modellen. Dann aber bitte auch in einem Gesamtkonzept, welches die Idee veranschaulicht! Ein einzelner zweireihiger Anzug am Ständer wird nicht funktionieren.“
Zu welchen Stores passt die CG – Club of Gents – und zu welchen eher nicht?
„Ich würde da grundsätzlich niemanden ausschließen, allerdings muss man bereit sein, die jeweiligen Preislagen auch umzusetzen. Konfektion in den Verarbeitungsstufen und dem Qualitätsanspruch, den wir an unsere Kollektionen haben, ist nicht billig und weit weg von fast fashion. Wir stehen schon wegen des Materialeinsatzes und der Verarbeitungsqualität für nachhaltigere Mode.“
Werden die Hochzeiten in Zukunft weniger festlich gefeiert – oder prognostizieren Sie genau das Gegenteil?
„Wir sehen, dass die Interpretation von festlich im klassischen Sinne aufgebrochen wird. Das Sakko wird immer häufiger durch Overshirts ersetzt. Die Gäste kommen teils auch in bequemen Jersey-Outfits, die sie auch in der Freizeit einfach kombinieren können. Es wird lockerer, das heißt jedoch nicht, dass weniger gefeiert wird.“
Welche gesellschaftlichen Trends sehen Sie?
„Wir sehen aktuell zwei Trends: Einmal wird es wieder cleaner und weniger geschmückt. Klare Konturen, weniger ist teilweise mehr. Für das Produkt heißt das: Wir verzichten auf zu viel Schnickschnack wie zum Beispiel Ziernähte oder Kontrastfutter. Außerdem kommen vermehrt Anfragen bei uns an zum Thema Preislagen. Das verwundert nicht in Zeiten der politischen Verunsicherung.“
Was wäre der perfekte Zeitpunkt für eine Messe, um dem Fachhandel festliche Herrenmode zu zeigen?
„Wir verkaufen unsere Anlassmode bereits im April bis Mai in Form einer Pre-Summer-Order mit Liefertermin Dezember bis Januar. Eine Messe im April oder Ende Juni zum Start der regulären Sommerorder würde Sinn machen.“